Über uns

Konzept

Neurologische Akutkrankheiten führen häufig zu Tod oder bleibender Behinderung. Gesicherte, prognoseverbessernde Therapien stehen in ländlichen, strukturschwachen Regionen häufig nicht oder nur verspätet zur Verfügung, da die notwendige fachneurologische Expertise unzureichend vor Ort vertreten ist. Das ANNOTeM-Netzwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, die Behandlungsqualität neurologischer Notfälle in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig zu verbessern.  

Um eine wohnortnahe medizinische Betreuung bei gleichzeitiger Anbindung an hochspezialisierte Einrichtungen zu gewährleisten, ist eine optimierte Versorgung der Patienten auf mehreren Ebenen von zentraler Bedeutung. Dafür werden in Zusammenarbeit zwischen neurologischen Zentren und regionalen Kliniken folgende Strukturen aufgebaut:
  • Regionale Etablierung baulicher & personeller Einheiten mit Spezialisierung auf akutneurologische Erkrankungen (Neuro-Akut-Units)
  • Vorhaltung eines akutneurologischen Telekonsildienstes durch die Zentren rund um die Uhr („24/7“)
  • Etablierung standardisierter Prozeduren auf aktuellem, leitliniengerechtem Stand unter Berücksichtigung regionaler Möglichkeiten
  • Optimierung / Koordination von Patientenverlegungen im Falle der Notwendigkeit spezifischer Therapieverfahren, die in den regionalen Partnerkliniken nicht vorgehalten werden (z.B. Thrombektomie)
  • Kontinuierliche Qualitätssicherung für alle akutneurologischen Krankheitsbilder
  • Kontinuierliche, regionale & zentrale Fortbildung für alle Berufsgruppen (Ärzte, Pflege und Therapeuten)

Hintergrund

Neurologische Akutkrankheiten wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittssyndrome, epileptische Anfälle sowie Gehirn- & Hirnhautentzündungen  gehören zu den häufigsten Ursachen für bleibende Behinderungen. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen, dass die Zeit des ersten Auftretens von Krankheitsanzeichen bis zum Behandlungsbeginn kritisch ist: „Time is brain“. Je früher eine Behandlung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten auf eine Erholung. Gerade im ländlichen Raum ist die rasche neurologische Versorgung vor Ort aber nicht immer gewährleistet.

Akute neurologische Symptome wie Lähmungen, Sprach- und Bewusstseinsstörungen lassen sich audiovisuell gut beurteilen. Ebenso können die Daten einer CT- oder MRT-Untersuchung sowie Laboruntersuchungen zur umfassenden Beurteilung sehr gut in digitaler Form an die Experten übermittelt werden.

Telemedizinische Netzwerke, in denen Fachärzte aus überregionalen neurolgische Zentren die regionalen Notfallambulanzen bei Diagnose und ersten Behandlungsschritten unterstützen, können somit zu einer Optimierung der medizinischen, fachspezifischen Versorgung in Flächenländern beitragen.

In der Schlaganfalltherapie haben sich telemedizinische Netzwerke in der Vergangenheit bereits erfolgreich bewährt. Eine Erweiterung des telemedizinischen Behandlungsspektrums auf andere neurolgische Notfallerfrankungen soll im Rahmen des ANNOTeM-Projektes daher umgesetzt werden.

Ausblick

Das Projekt wird vom Februar 2017 bis April 2020 gefördert. In diesem Rahmen erfolgt eine Evaluation über die Effekte der telemedizinisch unterstützten Notfallversorgung akutneurologischer Krankheitsbilder. Darüber hinaus werden die Effekte der telemedizinisch unterstützten Differentialdiagnosen und –therapien von epileptischen Anfällen untersucht.
Die Evaluation der geförderten neuen Versorgungsformen soll Erkenntnisse liefern, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seine Richtlinien zur Gestaltung der Versorgung übernommen werden können oder dem Gesetzgeber als Grundlage für strukturelle Veränderungen des gesetzlichen Rahmens dienen können.

Mit dem ANNOTeM-Projekt soll eine Versorgungsform realisiert werden, die – mit Adaptation an unterschiedliche regionale Anforderungen – auch als Versorgungsmodell in anderen strukturschwachen Regionen Deutschland genutzt werden kann. Mittelfristig ist das Konzept modular in Bezug auf die intersektorale Versorgung unter Einbeziehung der Rettungsdienste und der ambulanten Nachsorge erweiterbar. Die telemedizinische Infrastruktur kann zukünftig auch für die Versorgung nicht-neurologischer Krankheitsbilder durch die telemedizinische Untersuchung und Befundübermittlung (z.B. Röntgen- oder EKG-Übertragung) z.B. in der Traumatologie, Kardiologie, Gynäkologie oder Kinderheilkunde verwendet werden. Dafür ist die Schaffung von Rahmenbedingungen notwendig, um ein entsprechendes Netzwerk dauerhaft zu finanzieren.